Schönes Wetter - shoppen in der Stadt, dachte ich heute. Schon im Bus auf dem Weg in die Stadt starrt mich die ganze Zeit mein Gegenüber an. Er ist mindestens 20 Jahre älter als ich, starrt mir nicht ins Gesicht, sondern auf den Busen. Ich starre zurück. Er grinst überheblich. Ich steige aus, gehe durch die Geschäfte. Er verfolgt mich die ganze Zeit. Ich traue mich nicht, etwas zu sagen, habe keinen Spaß mehr. Der Tag ist im Eimer. Wenn ich ihn angucke, grinst er nur so überheblich und sagt nichts, steht ab und an so dicht an mir, dass er mich berührt, obwohl kein Grund daszu besteht, weil es nicht voll ist. Ich gebe auf und fahre nach Hause. Im nachhinein bin ich sauer auf mich selbst, weil ich das zugelassen habe, dass so einer mir meinen freien Tag versaut.
Schon eine kleine Weile her; Ich tauchte relativ kurz vor knapp zu meiner theoretischen Fahrprüfung auf, vorher im Eiltempo geduscht, Haare unfrisiert, minimalistisches Make-up, Kleidung nach Zufallsprinzip. Der Fahrlehrer traf kurz nach mir ein, blieb direkt vor mir stehen, musterte mich und sagte wörtlich; “Sie sehen heute aber so richtig schön scheiße aus.” Ich stutze, gebe ein ironisches “Na, vielen Dank.” zurück, als er mir den Kopf tätschelt und weiter versetzt: “Wer neben Ihnen morgens aufwacht, der muss Sie aber wirklich ziemlich lieb haben.” Habe dann ein paar Bemerkungen dazu gemacht, dass ich mich natürlich anders angezogen hätte, wenn er mir vorher gesagt hätte, dass es fürs Aussehen Extrapunkte gibt. Rückblickend betrachtet hätte ich schon allein auf das Kopftätscheln viel stärker reagieren sollen. Ich war einfach zu überrumpelt.
Ich war vor kurzen mit meiner Lebensgefährtin, ihrer Schwester und noch einer Freundin feiern in Dortmund. Es macht wirklich keinen Spass mehr, raus zu gehen, weil Frau wie ein Stück Freiwild behandelt wird. Die Schwester und ich waren die ganze Zeit tanzen und mussten schon fast um uns schlagen. Ich muss sagen, dass ich mehr die Aufpasserin bin. Doch es kamen nach einander mehrere Typen an, ich kann sie nicht anders nennen, die sie andauernd an machten oder angegrabscht hatten. Das ging den ganzen Abend so, bis mich die Wut packte und ich einen von denen so doll geschubst habe, dass er abliess, weil es dadurch der ganze Laden mitbekommen hatte. Nur tanzen war das nicht, eher ein ständiger Kampf ums unbeschwerte Feiern.
Ich habe schon so viele und unterschiedliche Belästigungssituationen erlebt, dass ich gar nicht weiß, von welcher ich erzählen soll…
Ob es diese beurteilenden, objektivierenden Blicke von vor allem älteren Männern sind, die sich anfühlen, als würden sie mich ausziehen oder mir etwas wegnehmen, oder granzüberschreitende Aussagen wie “Lutsch mein’ Schwanz!”.
Ob es Hinterherpfeifen ist oder unterordnende, objektivierende und abschätzende Worte sind wie: Kleine, Kleines, Schätzchen, Liebchen, Liebelein, Püppchen, Mäuschen….
Ob es zu nahe kommen, an intimen Stellen streifen, berühren, tätscheln oder grapschen ist.
Ob es aus dem offenen Autofenster brüllen oder vorgeheucheltes Interesse daran ist, wie ich heiße, wie es mir geht, was ich mache, wo ich wohne (äh?)…
Ob es bewertende Kommentare zu meinem Körper sind, ob “Positives” oder Beleidigung (wenn ich objektiviert werde, ist das für mich ein und das selbe), oder blödes Gaffen, wenn ich ein Eis oder eine Banane esse…
Ich fühle mich dadurch belästigt!!! Es stört mich in meinem Selbstbild, in meiner Selbswahrnehmung, in meinem Selbstbewusstsein. Es stört mich in meinem Wohlbefinden und auch zu oft in meiner Sexualität.
Ich habe all das Aufgezählte schon erlebt und ich habe genug davon!!!
Ich werde gerne angesprochen, angemacht und ich kriege gerne Komplimente, aber bitte doch auf Augenhöhe!!!
Respektiert mich und habt wirkliches Interesse an mir, ansonsten: FUCK OFF!!!
Hallo zusammen, Ich habe leider eine Erfahrung in meinen eigenen vier Wänden machen müssen. Zum 1.2.2012 hatte ich eine neue Wohnung gefunden, die noch renoviert werden musste. Also bin ich vor der Arbeit immer in die Wohnung gefahren, um zu schauen wie weit die Baustelle ist. An einem Tag ging ich in die Wohnung und traf auf einen Arbeiter, der sich zunächst mit mir unterhalten hatte. Ich hatte mir erst nichts dabei gedacht, als er fragte, ob ich alleine in die Wohnung ziehen würde und ich dies mit ja beantwortete. Er erzählte mir dann noch ein wenig über die Historie der Nachbarn und des Hauses. Dann wollte ich mich verabschieden, und er fragte, wann ich wieder da sein werde und stand auf einmal ganz nah neben mir und umarmte mich ganz fest und gab mir einen Kuss auf den Mund. Das geschah so schnell, dass ich garnicht realisiert habe, was passiert ist und ging weg von ihm zur Haustür. Er rief mich nochmals, und ich ging hin, weil ich ihn nicht verstanden hatte. Dann fing er an, mir an meinen Hintern zu grabschen und nahm mich wieder in den Arm und gab mir einen Kuss. Ich stiess ihn weg und fragte, was das soll und ging aus der Wohnung raus, in der ich noch nicht mal eingezogen war. Daraufhin rief ich sofort meinen Vermieter an und erzählte ihm dieses und wollte den Namen des Arbeiters haben, da ich eine Anzeige machen wollte. Letzendlich lief es darauf hinaus, dass ich den Namen nicht bekommen habe. Mein Vermieter versicherte, dass dem Arbeiter gekündigt wird und sofort von der Baustelle abgezogen werden würde. Das kann wirklich nicht sein, wie naiv ich in dieser Situation reagiert habe. Ich hätte doch viel sicherer sein müssen, weil es falsch war, was derjenige getan hat. Ich habe mich noch Tage danach so ekelhaft gefühlt und wusste nicht, mit welchem Gefühl ich in die Wohnung ziehen würde. Das war eine meiner Erfahrungen in meinen eigenen vier Wänden. L. G.
Story: Eine “historische” Belästigung: Meine Geschichte ist zwar alt, dürfte aber trotzdem noch traurige Aktualität haben. Daher:
Ich ging mit einer Freudin (wir beide waren etwa 17 Jahre alt) die Hohe Straße in Richtung Süden zu unserem Karate-Verein (wir waren also keine schüchternen Pflänzchen), als uns eine lärmende Gruppe von ca. 7 oder 8 jungen Männern entgegenkam - wie es aussah, Fußball”fans”. Im Vorbeigehen faßte einer von ihnen mir dreist in den Schritt und kniff schmerzhaft zu. Ich war so perplex, dass ich überhaupt nicht reagieren konnte. Als ich meiner Freundin den Vorfall schilderte, schrie sie wütend etwas hinter den Kerlen hinterher, worüber diese aber nur lachten.
Der Vorfall passierte vor beinahe 40 Jahren. Dass ich ihn heute noch deutlichst in Erinnerung habe, mag zeigen, wie sehr diese sexuellen Übergriff junge Mädchen und Frauen angreifen und erschüttern können.
Ist schon ein paar Jahre her. Ich ging noch zur Schule und war auch auf dem Weg dorthin. Dummerweise war ich eine Stunde zu früh dran, da ich vergaß, meinen Wecker wieder eine Stunde vor zu stellen. Fiel mir allerdings auch erst ein, als ich bereits auf dem Weg war. Zu dieser frühen Zeit war meine Bahn sehr leer. Knappe 3 Station vor meinem Ziel stieg ein Mann in die fast leere U-Bahn ein. Ich selber saß sehr weit hinten, sodass hinter mir nur noch eine Sitzreihe leer war. Der Mann ging dann auch in die leere Sitzreihe hinter mir und aus den Augenwinkeln sah ich, dass er sich nicht setzte, sondern stehen blieb. Es verwunderte mich nicht sehr, denn ich war über die fast leere Bahn immer noch irritiert, mir fiel erst am Ziel auf, als ich die Stationsuhr sah, dass ich zu früh war. Kurz bevor die Bahn bei der nächsten Haltestelle hielt, bewegte sich der Mann, grapschte mir an den Busen und rannte aus der Bahn. Ich selber konnte gar nicht reagieren, da es tatsächlich zu schnell ging. Ich war sehr erschrocken und fühlte mich total beschmutzt. Bis heute habe ich mit niemanden darüber gesprochen. Als ich dann endlich in der Schule ankam, ging ich erstmal in den WC -Raum und wusch mir den Dreck aus dem Körper, sowohl den äußerlichen mit Kranwasser als auch den innerlichen mit Tränen.
Es war Sommer, und wir hatten noch Ferien. Draussen begann es bereits zu dämmern. Meine damalige beste Freundin wohnte ein Stück weiter weg, und sie musste auch immer als erste zu Hause sein. Also brachte ich sie nach Hause und machte mich dann alleine auf den Heimweg. Mittlerweile war es tatsächlich dunkel, aber noch angenehm warm, und man hörte von überall her das Lachen der Personen, die draußen mit Freunden grillten und die Vögel zwitschern. Als ich durch eine Unterführung durch musste, hörte ich noch was anderes hinter mir, immer schneller werdende Schritte, und es waren nicht meine. Ich drehte mich um, konnte aber nichts entdecken. Ging weiter und sah schon das Ende der Unterführung, allerdings hörte ich nun aber umso deutlich die Schritte hinter mir. Ich traute mich, da es sich tatsächlich so nah anhörte, nicht nach hinten zu schauen und beschleunigte meinen Schritt auf Renntempo. Endlich erreichte ich das Ende der Unterführung, sah das Abendlaternenlicht und beruhigte mich. Die Schritte hinter mir hörten aber nicht auf, natürlich nicht, die Person löste sich nicht in Luft auf. Aber ich hörte meinen Namen rufen und erkannte da erst, dass es sich um meinen Bruder handelte, der losgeschickt worden war, mich heile nach Hause zu bringen.
In was für einer traurigen Gesellschaft leben wir, dass wir bei jedem Pip in der Dunkelheit uns aus Angst umschauen. Weil, seit frühster Kindheit an, bekommen wir beigebracht: “Steig bei keinem Fremden ins Auto”, “Sei, wenn es dunkel ist, nicht alleine unterwegs”, “Pass in der Disco auf dein Glas auf, sonst werfen die da Drogen ein”.
Das ist alles verkehrt. Nicht wir müssen uns füchrten, sondern solche, die auf solch Gräueltaten aus sind. Mir reichts. Ich will was tuen.
Hallo. Ich bin gerade mit dem Bus zu mir nach Hause gefahren und bin total stinkig. Es ist der Nachtexpressbus und klar, viele sind nicht nüchtern, wenn sie vom feiern kommen. Aber, das ist keine Entschuldigung. Aus allen Ecken dumme Anmache von Besoffenen ist alles andere als schön. “Schöne Augen. Willst du noch feiern mit uns. Wieso willst du schon nach Hause. Hi Süße” etc. . Es ist wirklich der Hammer und sollte endlich aufhören.
Was bilden die sich ein? Das ich darauf warte, mit Sturzbetrunkenen feiern zu gehen in Privatwohnungen? Sicher!
Geschichten veröffentlichen: Fast jede Frau, jedes Mädchen hat wohl schon Belästigungen, Übergriffe erlebt. Manchmal ist man wütend, manchmal hilflos. Wir wollen das Schweigen brechen. Deshalb machen wir unsere Geschichten öffentlich und schreiben sie auf. Wir schreiben, was uns passiert ist und schweigen nicht mehr.
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Beispiel: Eine Frau erinnert sich an die Zeit, als sie jung war und schrieb: “Ich schämte mich, es war mir peinlich, ich fühlte mich wie ein Stück Fleisch, und es gab niemanden in meinem Leben, der mir half. Meine Mutter sagte, ich solle es als Kompliment nehmen, und mein Vater meinte, wenn ich nicht so einen runden Arsch hätte, würde es gar nicht geschehen. Lange Zeit erkannte ich gar nicht, wie falsch das war. Vielen Dank für Euer Engagement, für Eure Seite.”
Ein weiterer Grund, warum die Anti Street Harassment Woche so wichtig ist, damit alle Betroffenen wissen, dass sie nicht allein sind, und es ok und richtig ist, verärgert und wütend zu sein.